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Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit erhalten Sie einen vorläufigen Bericht über die
Ergebnisse der Wirksamkeitsprüfung der ambulanten Therapieform
"Audio-Kommunikation" für akute und chronische
Tinnitus-Patienten. |
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Dieses
Projekt ist eine Kooperation von:
- DTL e.V. (Deutsche Tinnitus-Liga),
- Barmer Ersatzkasse,
- HNO-Klinik der Helios Klinik Wuppertal (Prof. Dr. med.
H.-G. Kempf),
- Bergische Universität Wuppertal (Univ.-Prof. Dr. H.O.
Häcker, Dipl.-Psych. E. Willwoll)
- Praxis Tinn-a-Ré in Wuppertal
(Musik-/Sozialtherapeutin I. Valentin) |
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Im Rahmen der Studie wurde - und wird weiterhin - in den
vergangenen zwei Jahren die Wirksamkeit von
"Audio-Kommunikation" als Rehabilitation oder Prophylaxe vor
Tinnitus Chronifizierung überprüft. |
"Audio-Kommunikation" ist eine ambulant durchgeführte Therapie,
die mit Sozial/Musik-therapeutischen Grundlagen speziell für
Tinnitus-Patienten entwickelt wurde. |
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Die Therapie:
- wird in der Praxis Tinn-a-Ré in Wuppertal-Elberfeld
- von Frau Valentin durchgeführt,
- dauert sechs Monate und
- erfordert von den Tinnitus-Betroffenen einen Kostenbeitrag von
insg. 350 Euro.
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Ergebnisse: |
Der Therapieerfolg
wurde über die Veränderung der subjektiven Befindlichkeit der
Teilnehmer operationalisiert. Die Messung der Befindlichkeit
erfolgte mittels Tinnitus Fragebogen (TF) von Goebel und Hiller
(1998). Die Erhebungen fanden vor Therapiebeginn, nach
Abschluss der Therapie (nach 6 Monaten) sowie in einer follow-up
Zeit von weiteren 6 Monaten statt. |
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Die Stichprobe umfasst 23 Personen (15 Frauen und 8 Männer) im
Alter von 33-76 Jahren (Mittelwert 48 Jahre). |
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Bei Therapieantritt entsprachen 11 Versuchspersonen (Vp) den
Kriterien des Tinnitus-Schweregrades I (leicht), 6 Vp denen des
Schweregrades II (mittel), 5 Vp denen des Schweregrades III
(Schwer) und 1 Vp denen des Schweregrades IV (Sehr schwer). |
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Diese Verteilung zeigte deutliche Veränderungen in den
nachfolgenden Messzeitpunkten, so dass nach Abschluss der
Therapie nur noch 1 Vp in die Kategorie schwergradiger Tinnitus
(Schweregrad III) fiel, 4 Vp in die Kategorie mittelgradig (II)
und 18 Vp unter leichtgradigen (I) und somit nicht
behandlungsbedürftigen Tinnitus fielen. |
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Diese Erfolge der Behandlung zeigten sich ebenfalls stabil für
den follow-up Zeitpunkt. Im Zeitrahmen der Therapie konnten also
stabile Langzeitverbesserungen, bezogen auf die Befindlichkeit
der Patienten, nachgewiesen werden. |
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Besondere Ergebnisse: |
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Keine signifikante Veränderung zeigte sich in der Skala
Hörprobleme. Eine mögliche Erklärung hierfür ist, dass
Audio-Kommunikation nicht physiologische Folgen von Stress und
Tinnitus beseitigt, sondern Stressauslöser neutralisiert bzw.
die Toleranz gegenüber Stressoren erhöht. Kröner-Herwig (2003)
stellte fest, dass durch Psychotherapie keine psychoakustischen
Beschwerden (Hörprobleme) aufgehoben werden können. |
Eine Begründung
für die fehlende Verbesserung von Hörproblemen könnte
auch fehlende apparative Versorgung mit Hörgeräten sein. Nach
Lenarz (1998) verschweigen Patienten häufig Hörprobleme vor
ihrem Arzt oder nutzen vorhandene Geräte nicht. Der Grund
hierfür läge oftmals an den antizipierten negativen sozialen
Konsequenzen, die die Patienten befürchteten.
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Die Skala Schlafstörungen zeigte lediglich zum follow-up
Zeitpunkt eine signifikante Verbesserung. Dieses Ergebnis
erklärt sich dadurch, dass Effekte von Psychotherapie auf
Schlafstörungen im Allgemeinen eher gering sind (Anderson
und Lyttgens, 1999). |
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Der Penetranz des
Tinnitus wird in Audio-Kommunikation mit
Aufmerksamkeitsumlenkung begegnet, wodurch sich möglicherweise
die Verbesserung in dieser Skala erklären lässt. Der
Erfahrungsaustausch, die Techniken sowie die Informationen, die
in der Therapie vermittelt werden, wirken möglicherweise auf die
dysfunktionalen Kognitionen (Katastrophisierung), wodurch die
Kognitive Belastung geringer wird. Die größte Wirkung zeigte
sich bei Emotionaler Belastung, was möglicherweise in der Form
einer Gruppentherapie begründet ist. So erfahren die Teilnehmer
durch den Austausch mit anderen Betroffenen und der Therapeutin
soziale Unterstützung, Annahme und Hilfestellung. Dies könnten
Gründe für das große Ausmaß der Verbesserung in dieser Skala
sein. |

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Schlussbemerkung: |
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Zusammenfassend liegt die Wirksamkeit von Audio-Kommunikation in
der Modifikation der Beeinträchtigung durch die Geräusche und
darin, das Bewältigungsverhalten zu verbessern. Dagegen
verändert sich durch die Therapie die subjektiv wahrgenommene
Lautheit des Tinnitus nur wenig und auch die audiologischen
Parameter oder Hörprobleme verändern sich nicht. Dies entspricht
den Vorstellungen von Hallam (1996), der postuliert, dass nicht
das Geräusch selbst Ursache der Beeinträchtigung ist, sondern
die emotionalen und kognitiven Bewertungen die Belastung
hervorrufen. |
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Stand 07.2004 |
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